Windows Home Server (WHS) für Architekturbüro

Typischerweise bestehen von uns betreute SOHO-Netzwerke (SOHO = Small Ofice, Home Office) aus Windows- oder Apple-Clients, die von Linux-Servern mit Diensten versorgt bzw. verwaltet werden.

Auch beim Architekturbüro Wienke (www.architekturbuero-wienke.de) kam bislang ein Print-, Backup- und Fileserver auf Linux-Basis (Ubuntu) zum Einsatz. Im Zuge einer anstehenden Aktualisierung der Hardware des Servers, wurden auch seine Aufgaben neu diskutiert und wie folgt formuliert:

  • Zentraler Datenspeicher mit Benutzerverwaltung und Rechtevergabe.
  • Printserver für Plotter und Großformat-Laserdrucker.
  • Einfache Möglichkeit der Sicherung des kompletten Datenspeichers auf einer externen Festplatte. Diese soll an einen anderen Ort verbracht werden können, um einem Datenverlust bei Diebstahl, Brand oder Blitzschlag vorzubeugen. Die Datensicherung auf einem Online-Datenspeicher ist für die kommende Server-Generation geplant.
  • Automatische Sicherung der acht bis neun am Netzwerk angeschlossenen Computer (Windows XP, Windows Vista, Windows 7).
  • Strom sparende und geräuscharm arbeitende Server-Hardware.
  • Automatische Installation von Sicherheits-Updates.
  • Einfache Bedienbarkeit des Servers, idealerweise auch durch Mitarbeiter des Architekturbüros (ggf. nach Einweisung).

Die o. g. Aufgaben könnten zwar auch von Linux erledigt werden, wir hatten jedoch Zweifel, was die einfache Bedienung des Systems angeht. Daher empfahlen wir als Betriebssystem erstmals einen Windows Home Server (WHS). Wir wählten einen SQ-A5H Home Server Series 2 der englischen Firma Tranquil PC Limited Ltd. als Plattform aus. Mit seinem Intel Atom D510 (2 x 1,66GHz) Dual-Core-Prozessor liefert der Rechner im Verhältnis zum Energieverbrauch von nur 23 Watt ausreichend Rechenleistung. Als Festplatten wurden zwei 500 GB sowie eine 2 TB Western Digital Caviar Green bestimmt, der Hauptspeicher wurde mit 2 GB dimensioniert. Eine ausführliche Produktbeschreibung ist auf der Herstellerseite zu finden.

Das Gerät wurde nach vier Tagen ab Bestellung (mit WHS in deutscher Sprache) von England nach Deutschland geliefert. Das Gehäuse sieht hochwertig aus und ist gut verarbeitet. Lediglich das externe Netzteil aus fernöstlicher Billig-Fertigung fiel auf; es durchlief aber offensichtlich diverse Qualitätschecks bei Tranquil PC, worauf eine Reihe von QC-Aufklebern schließen ließen. Das Gerät wurde sogleich an das Firmennetzwerk angeschlossen.

Bei der Erstinstallation des WHS wurde der beigelegte Registrierungsschlüssel nicht angenommen - es wurde daher erst einmal die Testversion installiert und der Schlüssel dann problemlos auf der installierten Maschine registriert. Ein Schwerpunkt des WHS ist das Media-Streaming. Das ist allerdings in diesem Umfeld weder erforderlich noch erwünscht, weshalb alle entsprechenden, von Tranquil PC vorinstallierten Addons (Firefly Media Server etc.) deinstalliert und die vom WHS angebotenen Media-Optionen deaktiviert wurden.

Nach Installation der üblichen Windows-Updates wurden das Berechtigungsmodell abgebildet (Benutzer, Freigaben, Berechtigungen) und die Daten vom alten auf den neuen Server kopiert. Abschließend wurde die Connector-Software (Management Konsole) auf den Clients installiert. Fertig.

Die Sicherung der Client-Rechner erfolgt idealerweise nachts. Um auch Desktop-PCs, die nach Feierabend ausgeschaltet werden (und nicht in den Standby versetzt werden), zu sichern, wurde das kostenpflichtige Addon "Lights Out" für 25 EUR hinzugekauft. Dieses erweitert den WHS um eine Wake-on-LAN-Funktion, die per Netzwerkkabel angeschlossene Rechner automatisch aufweckt und sichert. Notebooks, die sich im Standby befinden, wachen via installierter WHS-Konsole selbständig auf und werden gesichert.

Die Sicherung des Datenbestandes auf ein USB-Laufwerk kann von jedem PC via Management Konsole gestartet werden. Die Sicherung basiert auf Hardlinks, wodurch chronologisch auf alte Datenbestände zurückgegriffen werden kann.

Fazit: Der Windows Home Server erfüllt alle an ihn gestellten Anforderungen mit Bravour. Der SQ-A5H Home Server von Tranquil verbraucht erstaunlich wenig Strom. Lediglich sein permanent laufende Lüfter könnte eine temperaturabhängige Drehzahlregelung vertragen.

Ausblick: Nach unseren positiven Erfahrungen, die wir in mit diesem Projekt gesammelt haben, werden sicherlich weitere SOHO-Installationen dieser Art folgen. Zukünftig werden wir das Safe Server Module (SSM) von Tranquil PC mit verbauen, um den WHS auch bei Ausfall der ersten Festplatte zu sichern.
Sollte sich der Nachfolger des WHS (Codename Vail) als würdiger Nachfolger erweisen, wird zukünftig der Arbeitsspeicher dank 64-Bit-Architektur mehr als 2 GB betragen.

Besonderheit: Das Architekturbüro Wienke lässt Kunden via DSL-Leitung (DDNS-Namensauflösung) auf interne Daten zugreifen. Der WHS bietet zwar diverse Zugriffsmöglichkeiten für den Webbrowser, allerdings wird hierfür der hauseigene Internet Information Server verwendet. Die für das Architekturbüro in PHP programmierte Software baut auf den Apache Webserver, insbesondere auf mod_rewrite. Eine Installation von XAMPP auf dem WHS und eine damit verbundene Abschaltung des IIS kam nicht in Frage, weil das nach unserem Dafürhalten einen zu tiefen Eingriff in das WHS-Konzept darstellte.
Daher haben wir einen VMWare-Server auf dem WHS installiert, in dem ein Ubuntu-Server mit 256 MB RAM als Gastsystem arbeitet. Diese Kombination aus WHS und Linux läuft erstaunlich reibungslos. Der Funktionsumfang des WHS ist damit um eine "echte" Linux-Toolbox (LAMPP, SSH-Server etc.) erweitert.

 

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Samstag, 06. Februar 2010, 11:26 Uhr